Mutmachgeschichten

Das Wohnungs-Experiment

Eine Umgestaltung unserer Wohnung war eigentlich ganz und gar nicht geplant. Nun bin ich aber so froh, dass es sich ergeben hat und wir diesen Schritt gewagt haben. Mit diesen Zeilen versuche ich das Wohnungs-Experiment zu beschreiben.

Wir hatten nicht vor an unserer Wohnung viel zu verändern, denn unser eigentliches Ziel ist was Größeres zu finden. Vor ca. zehn Jahren bin ich alleine in unsere 3-Zimmer-Wohnung eingezogen und hatte mir als Lehrerin ein Arbeitszimmer eingerichtet. Irgendwann ist mein Mann mit eingezogen und ich habe etwas Platz gemacht, aber im Großen und Ganzen ist die Wohnung gleich geblieben (er hat sich aber nicht beschwert). Inzwischen teilen wir uns die Wohnung mit zwei Kindern. Jeder noch so kleine Fleck wurde genutzt und der freie Platz wurde immer weniger. Ich habe irgendwann meine ganzen Schulsachen in den Keller gepackt, da ich momentan nicht arbeite. Aber trotzdem war das alte Arbeitszimmer mehr eine Rumpelkammer als was anderes (ich habe das Zimmer tatsächlich ein paar mal unabsichtlich als Abstellzimmer bezeichnet). Sobald ich mal dazu kam es etwas aufzuräumen, war es kurze Zeit später wieder vollgestellt. Und genau dieser tote Raum brachte meinen Mann und mich dann doch dazu was verändern zu wollen. Zudem erhoffe ich mir davon auch einen leichteren Umzug irgendwann. Nicht aus einem Chaos auszuziehen, sondern vorher schon eine Ordnung gefunden haben, erschien mir sinnvoll.

Auf einem Seminar lernte ich Ramona kennen. Sie erzählte mir, dass sie anderen bei der Wohnraumumgestaltung hilft. Ich fragte später mal vorsichtig, ob bei uns eine Verbesserung mit nicht allzu großem Aufwand zu erreichen wäre (die Kinder waren da 1 und 3 Jahre, und wir hatten nicht viel freie Zeit).
Ich bekam gleich ein JA zurück.

Unsere Wohnung wirkte auf sie sehr starr und die Strukturen verfestigt, auch nicht an die Bedurfnisse von uns 4 Familienmitgiedern angepasst.

Nachdem ich von allen Räumen Fotos gemacht und einen Plan gezeichnet hatte bekam ich von Ramona Veränderungsvorschläge für die Räume. Manches war leichter umzusetzen, bei anderem war Zeit und noch genauere Planung notwendig. Wir entschieden uns dann sogar ihrem Rat zu folgen und fast alles weiß zu streichen. Es bedeutete zwar viel Arbeit, aber das Resultat hat uns bestätigt. (In diesem Stadium wollte ich dann auch keine halben Sachen machen.)
Es gab zwei schwierig Räume: das Wohnzimmer und das alte Arbeitszimmer. Dazu kam Ramona nochmal vorbei. Da konnte ich sie dann auch in Aktion erleben und war einfach fasziniert, wie sie arbeitet. Für alles fand sie eine Lösung. Zum Beispiel musste ein Hocker, der den Kindern im Bad zum Händewaschen dient und aus Platzmangel im Flur stand, woanders untergebracht werden. Sie probierte so lange, bis sie tatsächlich eine Nische im Bad fand.
Für das Wohnzimmer hatte sie vorgeschlagen weg vom “tyischen Wohnzimmer” zu gehen und stattdessen eine Fernsehecke, eine Spielecke, eine Schreibtischecke einzurichten. Zu dem ganzen Krempel sollte noch der Schreibtisch mit rein? Auf jeden Fall musste bei uns das Spielzeug der Kinder darin bleiben , aber wie das Ganze gehen sollte, konnte ich mir nicht vorstellen.
Ich hatte es einfach nicht geschafft, mich gedanklich von der alten Aufteilung zu lösen. Aber das Ergebnis ist faszinierend und bekommt von unseren Besuchern die meiste Bewunderung.

Für das Arbeitszimmer hatte Ramona das grobe Konzept entwickelt und wir sollten dann “nur noch” die Kommoden im Raum verteilen….. Nach dem Streichen schoben mein Mann und ich also die Kommoden hin und her. Aber egal wie wir es auch hinschoben, es gefiel uns gar nicht. Es war zwar Samstag, aber ich dachte, vielleicht kann ich Ramona trotzdem erreichen und sie hat etwas Zeit. Nachdem ich ihr Fotos schickte, antwortete sie “Warte, ich zeichne was”. Und wundersamerweise ließen sich die Kommoden doch harmonisch anrichten.
Ramona hat mich aber auch in vielen Kleinigkeiten unterstützt. Da ich nichts Falsches kaufen wollte, was dann doch farblich oder von der Form nicht passt, fragte ich häufiger nach. Sie stand mir die ganze Zeit über mit Rat und Tat bei.
Ich würde gerne kurz die einzelnen Räume vorstellen:

In der Küche fand die geringste Veränderung statt. Die Wichtigste war die Position des Tisches. Zuvor stand er an der Wand und nahm so den geringsten Platz weg. Als er dann längs im Raum stand, kam es mir zunächst komisch vor und nahm mir auch zuviel Platz weg. Meinem Mann und den Kindern gefiel es aber gleich. Als ich mich mit der Zeit von der Gewohnheit des Platzes lösen konnte, sah ich auch die Vorteile der neuen Position. Ich will jedoch immer sicher gehen und probierte irgendwann doch nochmal die alte Position aus, bevor wir die Position der Lampe angepasst haben. Und da war mir aber gleich klar, dass mir die neue Position besser gefällt. Beim Nachdenken für diesen Bericht ist mir klar geworden, dass der große Unterschied darin besteht, dass man um den Tisch herum laufen kann bzw. drum herum rennen und toben kann, und vielleicht gibt genau das dem Raum mehr Offenheit und Energie.

Im Schlafzimmer hatten wir neben unserem Bett auch ein Gitterbettchen für die Kleine, nachdem sie für das Beitellbettchen zu groß wurde, weshalb der große Bruder in der Bettmitte schlief. Daneben hatte ich auf den Kommoden einige Dekorationsartikel stehen (und fand es damals auch totall schön so). Ramonas Rat war die Wände weiß zu streichen und die Deko weg zu räumen. Auch hat sie uns weiter zum gemeinsamen Schlafzimmer geraten, weil es so einfach zu uns als Familie im Moment passt.
Wir haben dann ein zweites Bettchen besorgt. Mein Mann hat was gebaut, damit alle Matratzen auf einer Höhe sind und das größere Bettchen einen leichteren Einstieg hat. Ich habe Bettnestchen für beide genäht. Dadurch haben wir das Gefühl, dass die Betten jetzt genauso hingehören und auch bleiben dürfen. Das Gefühl vom Provisorium ist weg. Auch wenn wir damit zufrieden waren, dass die Kinder bei uns schlafen, fühlte sich das doch wie auf Durchreise an. (Komischerweise sehe ich das erst deutlich im Nachhinein). Ich denke gerade, dass es “gut so ist”, und das gibt mir auch ein Gefühl der Ruhe.
Inzwischen habe ich mich sehr an den Anblick ohne den ganzen Krimskrams auf den Kommoden gewöhnt und verstehe tatsächlich auch nicht mehr, dass ich das mal schön fand. Die unifarbene Bettwäsche sorgt für zusätzliche Ruhe.

Das Wohnzimmer liegt gegenüber der Küche und ist der Bereich, wo wir uns meisten aufhalten. Deshalb war es wichtig die Spielsachen da wieder unterzubringen, da die Kinder sie sonst sowieso hierher schleppen würden. Durch das Auseinanderstellen der Wohnzimmermöbel wurde möglich drei Bereiche zu schaffen: ein Wohnbereich, ein Spielbereich und ein Arbeitsbereich.
Natürlich bauen die Kinder auch mal auf dem Schreibtisch was auf, aber es fällt sehr leicht wieder aufzuräumen. Ich war schon davor ein strukturierter Mensch, in dem Sinne, dass ich mir immer gut überlegt habe, an welchem Ort, wo was am besten aufgehoben ist. Aber diese neue Aufteilung hat die Struktur auf ein neues Niveau gehoben. Die Ordnung muss nicht durch das Aufräumen geschaffen werden, sondern ist im Raum schon integriert.

Das schwierigste Zimmer blieb das Arbeitszimmer. Einerseits brauchten wir es nicht so dringend wie die anderen Räume, andererseits musste hier ein neues Konzept geschaffen werden, was Zeit braucht. Ein typisches Kinderzimmer brauchten wir noch nicht und wollten es auch nicht. So nennen wir es inzwischen Familienzimmer.
Als es noch vollgerümpelt war, hatten wir eine Gästematratze an der Wand stehen. Sie liegt nun auf dem Boden und hat nach einer längeren Kreativpause ein Zelt darüber bekommen. Hier haben wir Platz für Gäste, aber vor allem wird es auch zum Enspannen, Lesen, Turnen, Ausruhen und abends und morgens zum Kinder umziehen genutzt. Trotzdem ist hier noch nicht alles weggeräumt, denn durch das ständige Wachsen der Kinder, müssen gefühlt ständig zu kleine Kleider aussortiert werden oder Spielzeug, dass nicht mehr genutzt wird. Auch haben wir da immer noch ein paar Sachen liegen, über die endlich mal drüber geschaut werden muss.

Für den Balkon riet uns Ramona eine grüne Oase mit Sitzplatz (Bänkchen) einzurichten. Wieder sah ich nicht den Platz dafür, denn wir wollten die Möglichkeit haben zusammen auf dem Balkon zu essen. Auf die Idee, dass man die Stühle zu einer Bank rücken kann, kam ich nicht. Aber sie ist einfach genial. Wennt wir Zeit dazu haben, sitzen mein Mann und ich gerne mal abends dort.

Gefühlt ist noch nicht alles fertig, aber ich kann jetzt schon sagen, dass ich mich in der Wohnung viel wohler fühle. Es wirkt alles freier und lebendiger, viel heller und entspannter. Wahrscheinlich wird dieses Gefühl “Jetzt ist es fertig” nie kommen, weil Wohnen, gerade mit Kindern im ständigen Wandel ist. Wenn es sich nicht mehr verändert, lebt es vielleicht auch weniger.
Aber die Sachen flexibel zu gestalten ist etwas was ich durch Ramona gelernt habe, wie durch die Bank auf dem Balkon.

Die ganze Arbeit hat sich wirklich gelohnt. Für mich ist auch ganz klar, dass ich mir wieder die Hilfe von Ramona hole, wenn wir dann endlich ein neues Zuhause gefunden haben.
Ina – Karlsruhe